Wenn die Tragfläche verzogen ist

Was hilft die präziseste Montagearbeit, wenn sich anschließend herausstellt, daß die Tragfläche einen Verzug hat? Mit einer leicht verzogenen Tragfläche kann das Modell zwar auch noch fliegen, aber unter welchen Bedingungen? Abhängig von der Größe des Verzuges, wird das Modell von sich aus immer eine Kurve fliegen, die sogar zur Steilspirale und somit zum Absturz führen kann.

Trimmt man die Querruder entsprechend gegen das Kurvenverhalten des Modells, läßt es sich schon erreichen, daß das Modell einigermaßen geradeaus fliegt, das Ergebnis ist aber keinesfalls zufriedenstellend.

Große Flugexperimente mit einer verzogenen Tragfläche haben praktisch keinen Sinn, das Übel muß beseitigt werden.

Wie soll man aber vorgehen? Erst muß einmal geklärt werden, wie die Tragfläche aufgebaut ist:

Handelt es sich um eine Tragfläche, die aus einem mit Balsa oder Abachiholz beplankten Styroporkem besteht, sind die Chancen für eine Korrektur praktisch gleich null. So eine Fläche läßt sich nachträglich nicht mehr ausrichten. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten. Wenn die Tragfläche aus einem Bausatz stammt, bleibt nur die Reklamation. Der Lieferant muß sie umtauschen, während die Styroporfläche aus eigener Produktion nur noch auf den Müll geworfen werden kann, wenn man sich nicht ewig über das Modell ärgern möchte.

Traditionell gebaute Rippenflächen haben da erheblich bessere Chancen. Egal mit welchem Material sie bespannt sind, ob mit Papier, Seide oder Nylon, Ein Verzug läßt sich fast immer beseitigen.

Selbst wenn die Rippenfläche zum Teil mit Holz beplankt wurde, läßt sie sich wieder ausrichten. Erst wenn sie voll beplankt ist, wird es Probleme geben, denn da muß schon beim Beplanken etwas schief gegangen sein.

Gehen wir davon aus, daß die auf Rippen aufgebaute verzogene Tragfläche nicht voll beplankt ist und mit Papier, Seide oder Nylon bespannt wurde, läßt sich ein Verzug meistens dadurch beseitigen, daß man die Tragfläche mit Stecknadeln - gerade ausgerichtet - auf ein ebenes Brett heftet (Bild 1)

 

 

und mit Spannlackverdünnung einstreicht. Die beim Ausrichten auf dem Baubrett entstehenden Falten in der Bespannung sollen nach dem Trocknen beseitigt sein. Wenn erforderlich, muß der Vorgang wiederholt werden. Anschließend wird die Tragfläche umgedreht und wieder auf das Brett geheftet, so daß auch die Unterseite der Fläche mit Spannlackverdünnung behandelt werden kann.

Die Tragfläche sollte erst dann vom Baubrett genommen werden, wenn sie gut durchgetrocknet ist.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Korrektur des Verzuges ist auf alle Fälle ein ohne Verzug gebautes Tragflächengerippe. Ist aber schon das Gerippe verzogen, ist es besser die Bespannung noch einmal abzureißen und erst das Gerippe auszurichten. Dazu müssen alle Holzteile, nachdem die Tragfläche - gerade ausgerichtet - auf das Baubrett geheftet wurde, mit Wasser angefeuchtet werden. Erst nachdem die Holzteile vollkommen getrocknet sind, wird die Tragfläche vom Baubrett genommen. Hat die Prozedur geholfen, müßte die Tragfläche jetzt gerade sein. Wenn nicht, wird sie wiederholt. Erst wenn das Tragflächengerippe verzugfrei ist, kann die Tragfläche neu bespannt werden.

Aus einer mit Folie bespannten Rippenfläche einen Verzug heraus zu bekommen, ist eine besonders leichte Übung. Dazu ist praktisch nur ein Folienfön erforderlich. Die verzogene Tragfläche wird dazu per Hand so weit verdreht, daß sie gerade ist. Die so ausgerichtete Fläche ist durch das Verdrehen voller Falten, die mit Hilfe des Folienföns vorsichtig beseitigt werden

 

Bild 2

 

(Bild 2). Dieser Vorgang muß natürlich auf der Unterseite der Tragfläche wiederholt werden. Ist die Tragfläche abgekühlt, wird sich zeigen, ob der Verzug beseitigt werden konnte. Ist er aber noch nicht ganz beseitigt, wird das ganze wiederholt.

Die beim Bau verzogene vollbeplankte Rippenfläche ist fast genauso problematisch wie die mit Holz beplankte Styroporfläche. Das vielfach empfohlene Anfeuchten und anschließende zum Trocknen einspannen hilft da meistens nicht. Eine vollkommene Ablösung der Beplankung ist da die einzige Möglichkeit, die Tragfläche zu retten. Wieweit sich dieser Aufwand lohnt, ist die Frage. Wahrscheinlich ist ein Neubau dieser Prozedur vorzuziehen.

Beim Bau der wieder recht üblichen Tragflächen von Seglem und Elektroseglem, die außen angesetzte, nach oben leicht abgewinkelte Außenflächen (auch Ohren genannt) haben, besteht einmal die Gefahr, daß die V-Forrn an den angesetzten Flächenteilen unterschiedlich ausfällt, außerdem ist es leicht möglich, daß die Schränkung der beiden Ansatzstücke nicht gleich ist, Werden solche Fehler nicht sofort beseitigt, wird das Modell nie vernünftig geradeaus fliegen.

Auch diese Tragfläche wird mit Stecknadeln auf das Baubrett geheftet

 

 

(Bild 3). Anschließend wird im Vergleich der beiden Tragflächenohren geprüft, ob der Abstand von Nasen und Endleiste zum Baubrett gleich ist.

Ist er es nicht, wird das abweichende Ohr mit der Hand entgegen dem Verzug gedreht und mit dem Fön solange erwärmt, bis die entstandenen Falten in der Folie geglättet sind (Bild 4).

 

 

Ist die Tragfläche aber mit Bespannpapier oder entsprechendem Gewebe bespannt, wird der Verzug so behandelt, wie es in Bild 1 dargestellt ist.

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